KI-Skepsis als Chance: 54 Prozent der KMU fordern europäische Standards statt Silicon-Valley-Diktat

Österreichs Betriebe sind keine Technikverweigerer, sondern Sicherheits-Realisten. Zu dieser Ansicht kommt eine YouGov-Umfrage für world4you. Mit dem EU Tech Sovereignty Package und dem AI Act rückt „KI-Vertrauen Made in Austria" ins Zentrum.

Copyright: world4you | Bild generiert mithilfe von KI
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Österreichs kleine und mittlere Unternehmen setzen zunehmend auf Künstliche Intelligenz, allerdings zu ihren eigenen Bedingungen. Mehr als jeder zweite Befragte misstraut KI-Anbietern außerhalb der Europäischen Union (EU). Was auf den ersten Blick wie Zurückhaltung wirkt, erweist sich bei genauerem Hinsehen als bewusster Schutz des eigenen geistigen Eigentums, also der Ideen, Daten und Geschäftsgeheimnisse eines Unternehmens. Das zeigt eine aktuelle Befragung des Marktforschungsinstituts YouGov für den Webhoster world4you. Rückenwind erhält diese Haltung aus Brüssel: Mit dem Anfang Juni vorgestellten EU Tech Sovereignty Package, einem europäischen Maßnahmenpaket für mehr technologische Eigenständigkeit, dem nahenden EU AI Act sowie der laufenden Umsetzung der NIS2-Richtlinie (gemeinsame EU-Vorgaben zur Netz- und Informationssicherheit) steigt der Druck auf Unternehmen, ihre Datenflüsse selbst zu kontrollieren. world4you versteht diese Entwicklung nicht als Hürde, sondern als Chance für mehr „KI-Vertrauen Made in Austria“.

Misstrauen ist kein Technikboykott

Die Zahlen der Befragung zeichnen ein deutliches Bild. 54 Prozent der Unternehmen misstrauen KI-Anbietern außerhalb der EU. Für 50 Prozent der Betriebe ist die Sorge vor Datendiebstahl oder unbefugtem Zugriff das größte Hindernis beim Einsatz von KI.

Dass sich diese Vorsicht nicht gegen die Technologie selbst richtet, macht Sandra Trummer-Gabler, Geschäftsführerin von world4you, deutlich: “Die Österreicherinnen und Österreicher sind keine Technikverweigerer, sondern Sicherheits-Realisten. Wer Kundendaten oder Kalkulationen einem Anbieter außerhalb des europäischen Rechtsraums anvertraut, gibt damit ein Stück Kontrolle ab. Vorsicht ist daher kein Bremsklotz, sondern ist angebracht und fällt unter unternehmerische Sorgfalt.”, so die Geschäftsführerin.

Brüssel verändert die Spielregeln

Der regulatorische Rahmen gibt dieser Haltung zusätzlich Gewicht. Den größten strategischen Akzent setzt dabei das am 3. Juni 2026 vorgestellte EU Tech Sovereignty Package, mit dem die EU-Kommission digitale Eigenständigkeit zum erklärten Ziel macht. Sein Kernstück ist ein einheitlicher europäischer Rahmen, der die Souveränität von Cloud- und KI-Diensten erstmals vergleichbar bewertbar macht, also offenlegt, wo Daten verarbeitet werden und wer darauf zugreifen kann. Der Anlass liegt auf der Hand: Bei über 80 Prozent der zentralen digitalen Produkte und Infrastrukturen hängt Europa derzeit von Anbietern außerhalb der EU ab. Diese technologische Abhängigkeit birgt Risiken, die es angesichts geopolitischer Spannungen im Sinne europäischer digitaler Souveränität einzudämmen gilt.

Trummer-Gabler ordnet die Entwicklung so ein: „Was bisher als vereinzelte Vorsicht galt, wird damit zum verbindlichen Standard. Unternehmen, die früh nachweisen können, wo ihre Daten liegen und wer darauf Zugriff hat, verschaffen sich einen Wettbewerbsvorteil, statt später unter Zeitdruck ein Compliance-Problem lösen zu müssen.”

Ab 2. August 2026 gelten zudem die Pflichten des EU AI Act für sogenannte Hochrisiko-Systeme, also KI-Anwendungen mit hohem Schadenspotenzial, etwa in der Personalauswahl oder der Kreditvergabe. Parallel dazu verschärft die NIS2-Richtlinie (das nationale Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetz) die Anforderungen an die Cybersicherheit, also den Schutz vor Angriffen auf IT-Systeme. In Österreich wird sie über das NISG 2026 umgesetzt.

Sicherheit wird zum Budgetposten

Die Betriebe scheinen daraus bereits konkrete Konsequenzen zu ziehen: Für das Jahr 2026 plant jeweils mehr als ein Drittel der KMU (35 Prozent) gezielte Investitionen in IT-Sicherheit und KI. Sicherheit und Innovation werden damit nicht länger gegeneinander ausgespielt, sondern parallel gedacht und finanziert. Bemerkenswert ist das vor allem deshalb, weil gerade kleinere Unternehmen ihre knappen Budgets sonst klar auf Wachstumsthemen ausrichten.

KI nach Österreich bringen

Genau an diesem Punkt positioniert sich world4you als Brücke zwischen Innovation und Datenschutz. Das Unternehmen mit Sitz in Linz und Wien bündelt Webhosting, Domains und E-Mail-Dienste auf einer Infrastruktur, die den hohen europäischen Datenschutzstandards folgt, und will auf derselben Grundlage künftig auch KI-Funktionen anbieten. „Wir möchten unseren Teil dazu beitragen, KI sicher nach Österreich zu bringen”, fasst Trummer-Gabler den Anspruch zusammen. “Kundinnen und Kunden sollen sich nicht zwischen Fortschritt und Datenschutz entscheiden müssen, sondern können bei uns dann beides aus einer Hand beziehen. So wird aus anfänglicher Skepsis Vertrauen und aus diesem Vertrauen schließlich ein messbarer Standortvorteil für die heimische Wirtschaft.“

Über die Umfrage

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH im Auftrag von IONOS, dem Mutterkonzern von world4you, an der zwischen dem 03.02. und 09.02.2026 insgesamt 210 Entscheiderinnen und Entscheider aus österreichischen Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitenden teilnahmen.

 

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